Dÿse Interview.txt //16.08.2009
Das einstündige Interview als ungekürzter Text. Damit all die nicht-deutschsprachigen Fans mit Google Translate o.ä. ein bisschen von dem bemerkenswerten Interview lesen können.
Als erstes könntet ihr euch bitte vorstellen, also wie ihr heißt und was ihr für Instrumente spielt.
Jari: André, möchtest du vielleicht anfangen?
André: Das ist der Jari. Jari spielt Schlagzeug und hat mal Gitarre gespielt.
Jari: …aber das kann ich nicht so gut, genauso wie der André, den ich hiermit auch gleich vorstellen möchte. Das ist der André und der singt bei Dyse, bei der Band dyse, das sind wir, sozusagen, und schreit noch und singt nebenbei. Mehr kann man eigentlich nicht zu uns sagen, das muss fast schon reichen. Es sei denn, ihr wollt mehr wissen, dann kannst du nochmal ins Detail gehen.
Dafür haben wir ja jetzt ein bisschen Zeit. Jetzt kommt gleich die erste gemeine Frage: Wie würdet ihr eure Musik einer tauben Person beschreiben?
Jari: Einer tauben?
André: Du kannst wieder hören! Stell dich ganz nah ran und du kannst wieder hören.
Jari: Ne beschreiben würde ichs nicht. Ich glaube, ich würde denjenigen an irgendein Auto führen, würde die Mucke dort reinlegen, würde den Kollegen auf die Motorhaube liegen lassen und dann versuchen, so laut wie möglich zu machen, weil ich glaub, frequenzmäßig kriegen die das relativ gut mit. Und ansonsten würde ich natürlich sagen, dass wir (gestikulierend) musikalisch total ne Scheibe haben. Also oder?
André: Haut schon hin. Haut (gestikulierend) hin.
Welche Rolle spielt denn die Band dyse in eurem Leben?
Jari: Puh..
André: Naja.. ist eigentlich sinnlos. Ne, ist eigentlich n spaßiger Part so im Leben wo wir alle beide mal zurückschrauben können und, wie soll ich sagen…
Jari: …Alltag vielleicht…
André: ja, den Alltag echt mal völlig liegen lassen. Jedoch ist es mittlerweile eigentlich so, dass sich eigentlich der Alltag durch dyse bestimmt. Also von daher gibt’s das Wort Alltag mittlerweile nicht mehr. Also könnte man sagen, es ist ein großer Teil von uns und wir sind so wie wir sind und die Band funktioniert genauso wie wir sind. Also charakermäßig auch.
Jari: Also ich denke, das nimmt schon nen großen Teil ein, weil wir uns halt auch um ziemlich viele Sachen kümmern müssen selber und das macht schonmal ne ganze Menge aus und ich muss sagen, ich hab ziemlich viel gelernt durch die Band, auch rein menschlich: Wir sind halt viel rumgekommen, haben super viele Leute kennengelernt und es hat uns musikalisch ziemlich weitergebracht, aber vor allem auch im Kopf. Und es ist für mich ein superguter Ausgleich zum Alltag, vor allem mit dem André kann man schon viel Blödsinn machen und ich denk das leben wir halt ganz gut in der Musik und wenn wir unterwegs sind halt aus und ich hoffe das merkt man auch, so als Hörer, Gucker oder auch vielleicht Abkotzer, ich weiß es nicht.
Also wir haben zumindest viel Spaß und versuchen, ehrlich zu sein, was ich ziemlich wichtig finde, rein musikalisch und als Menschen selber … das kann man ja dann wegschneiden…. Aber das ist auch das, was uns sehr zusammengeschweißt hat mit der Zeit.
André: Viele Erlebnisse halt einfach …
Jari: … schöne und schlechte …
André: …die natürlich unbezahlbar sind. Grad unsere erste Tour, unsere Europatour, war, also rein zahlentechnisch war es ein absolutes Desaster, rein, ich sag mal, erinnerungstechnisch, wars eine der schönsten Zeiten, die wir so verbracht haben, was ewig natürlic hängen bleibt.
Jari: Außer natürlich jetzt Interviews und so, das genießen wir halt auch extrem…
André: …ja, ja der Rest ist gar nicht so wichtig.
Jari (lachend): Ne, eigentlich machen wir das nur deswegen.
André (sich durch die Haare fahrend): Ist mein Haar ok?
Jari (Andrés Haare richtend): Warte mal, hier drüben…
Bevor ich zur nächsten Frage komme… ich möchte dich nicht angreifen (zu André), aber es wäre super, wenn du den Kaugummi rausnehmen könntest..
André: Mh naja, da hängt ja mein Zahn dran..
Jari: Ach komm, gib her (tut so, als würde er Andrés Kaugummi in seinen Mund stecken). Kriegst du den noch runtergeschluckt, so vor laufender Kamera?
André: Nee, ich lass den einfach drin.
Jari (flüsternd): Kaust nicht mehr so viel…
André(flüsternd): Ja, ich darf nicht mehr so viel kauen…
Jari: Das hört man sonst auch, das Schmatzen?
Jaja.
Jari: Deswegen.
André: Hm, cool.
Naja gut. Ihr spielt ja noch in anderen Bands…
Jari: Ja, also ich nicht so ganz, ich sag mal, das ist der Part vom Onkel André, der noch bei der Band Volt spielt und eigentlich hauptberuflich, von einer Band – wie hieß das früher? MadSlayerKeya…
André: ….die goldene, die goldene Schub-…
Jari: …die goldene Kuh von Bangladesch..
Andrè: Singapur. Die goldene Kuh von Singapur.
Jari: Er spielt noch bei Volt, aber da kannst du eigentlich besser was zu erzählen!
André: Ja, ich spiel noch bei Volt, ich übernehm da auch Gitarre und Gesang, viel Songwritung, kümmer mich sehr viel da drum. In letzter Zeit ist eher sag ich mal ne Kreativpause. Wir haben vor zwei Jahren ziemlich angegriffen und sind relativ ausgepowert sag ich mal und schöpfen neue Energie und relaxen erstmal und werden dann sehen, was in der Zukunft so passiert. Jetzt ist halt erstmal der Part mit dyse im Vordergrund. Es ist halt immer sehr zeitaufwendig mit zwei Bands und mehreren Sachen auf einen Schlag und lässt sich manchmal schlecht verbinden. Da wird’s dann in Zukunft sicherlich ein paar Veränderungen geben…
Jari: Ich werd bestimmt bei dyse rausgehauen, ich weiß es jetzt schon.
André (lacht): Ja, Jari soll doch Gitarre spielen. Das wechselt sich eigentlich immer so ab, aber ich denke irgendwann wird’s schon ziemlich heftig werden, weil irgendwie greift man immer ein Stück weiter nach den Sternen. Und wenn du nach den Sternen greifst, erwischt du halt erstmal nen Zweig, der an nem Baum hängt, der zwei Meter hoch ist. Also das Bestreben ist schon da irgendwie…
Jari: Was ist denn das für ein Baum?
André: Bonsai.
Jari: Whow, ok.
André: … weiterzumachen und….
Jari: Deine Spontanität ist Wahnsin.
André: …auf jeden Fall versuchen, für sich neue Grenzen zu entdecken und auszuloten, gleichgültig ob das für andere schon lange erreicht ist oder die Leute das schon tausendmal gehört haben. Es kommt halt immer drauf an, wie mans selber interpretiert. Aber es sind schon zwei verschiedene Paar Schuhe, auch wenn irgendwie alles aus einem Topf kommt, sag ich mal.
Als ich mir die Liedtitel auf eurer CD angeguckt hab und die vielen doppelten Buchstaben fragte ich mich, nach welchen Kriterien ihr eure Lieder benennt.
Jari: Das ensteht auch genauso aus der Laune heraus wie auch der Song letztendlich entsteht. Ich denke auch die Songs die wir machen – meistens arbeiten wir da zwei-drei Wochen dran, maximal, weil wenn es bis dahin nicht fertig geworden ist, dann beißen wir uns fest, dann lassen wir es auch sein. Es ist echt immer diese Spontanität, die wir haben, und dann feixen wir da ein bisserl rum, machen ein bisschen Blödsinn und irgendwelche Witze, und so entsteht halt der Song und letztendlich auch dieser Songtitel. Der schon für uns eine Bedeutung hat – du fragst dich ja auch “was bedeutet das eigentlich”, manchmal so – und die schon sehr viel Interpretationsfreiraum lassen. Und das finden wir eigentlich relativ gut, weil sich dann jeder schonmal ein Stück Gedanken macht warum das eigentlich so ist. Ich glaube, eine Standardaussage zu machen, wie ein Song heißt, worum es darin geht, ist halt für den Hörer dann ziemlich einfach dann das zu konsumieren. Und so ist es halt schön – die Leute gucken erstmal “hä, was ist denn das?”, hören vielleicht rein. Gerade bei “Der Mann aus Gold” haben wir das oft gehört, wieso, und was bedeutet das, und ich find’s gut, wenn die Leute sich da ein bisschen mit auseinander setzen.
André: Es ist meistens einfach ein Stichpunkt, um sich bestimmte Sachen zu merken, einfach, oder bestimmte Sachen einfach in seine eigene Schublade zu stecken. So wo man dann sagt, man hat nen riesengroßen Schrank, und da sind tausend Schubfächer drin, und da ist jetzt der Song drin. Um das wiederzufinden, sag ich mal, nimmt man halt ne Anordnung irgendwie an und erfindet nen Namen – weil es ist jetzt auch nicht alles so lyrisch oder so poetisch, es ist halt mehr die Spontanität.
Jari: Es ist letztendlich halt wie irgendso ne Assoziation, wie wenn ich dich frage “sag mir ein Wort, wenn ich Urlaub sage” und du sagst mir halt “kotzen” weil du immer so viel trinkst und kotzen musst im Urlaub weil du’s richtig feierst.. Genauso passiert das halt: wenn wir den Song hören oder schreiben, dann verbinden wir das halt mit irgendwas und blubb, dann fällt halt einfach ein Songtitel raus.
Noch kurz zu den Texten: Ihr singt ja deutsch, und auch englisch, und die Liedtitel sind, wie ich irgendwann festgestellt habe, teilweise niederländisch – wie kommt das? Ist das Niederländische beispielsweise einfach eine Referenz an die eigene Bandgeschichte?
André: Das Niederländische hat einfach die Sache auf sich – es ist ja nicht so viel, sind ja meistens bloß ein paar Worte – hat einfach nur das auf sich, weil wir sehr viele Freunde da haben, die uns sehr geholfen haben, um sag ich mal rumzutingeln da oben oder da unten. Da verarbeitet man das halt, weil man mal seine Scherze da drüber macht und das irgenwie auch auf die Schippe nimmt. Und rein lyrisch technisch – ob jetzt deutsch, englisch, das kann sogar russisch sein wegen uns, es ist halt auch sehr viel der Wiedererkennungswert, also der Rhythmus an sich von ner Sprache ist eigentlich das Interessante, da kann man eigentlich sagen was man will, es ist einfach nur der Sound, wie’s rüberkommt. Wir arbeiten eigentlich mehr mit Rhythmen als mit großen Poesien.
Jari: Ich glaube, das ist auch das Ding, dass wir uns das frei lassen wollen. Wenn wir Bock haben, was englisch halt zu singen und das vor allem auch gut klingt, dann machen wir das einfach, oder wenn es einfach eine Aussage ist, die besser auf den Punkt kommt als in deutsch, dann nehmen wir das, oder wir mixen es halt irgendwie.
André: Sag ich doch.
Jari: Ich glaube, das ist auch ein Stück, was uns ausmacht, weil wir uns da einfach keine Grenzen setzen wollen. Wir haben da einfach Bock drauf, und Holland war das erste Land, in dem wir als dyse äh, ich sag mal…
André: …Anerkennung gefunden haben.
Jari: Am Anfang hier in Deutschland war das ziemlich so “naja, das ist ziemlicher Krach irgendwie”, und dort waren die Leute… Das war für uns das erste Mal, dass irgendwelche Leute ankommen und sagen “Hey was macht denn ihr da? Das ist ja total krass.” Und ich glaub, das ist so ein bisschen dann auch eine Hommage an die Leute und deswegen nutzen wir das. Aber wie gesagt, wir haben auch irgendwelchen Fantasiekrams da drin und letzendlich lassen wir uns das einfach offen, weil wir uns da selber keine Grenzen setzten wollen, halt auch musikalisch nicht.
André: Auf jeden Fall ist immer mal wieder schick, neue Worte für sich zu erfinden, die angeblichen Sinn haben…
Jari: Genau, wir machen da viel schönen Scheiß mit.
André: …aber halt schön rhythmisch sind. Das haut schon hin.
Jari: Ge – nau. Da – hast – du – recht. (lachend)
Währenddessen ist der Soundcheck von Sleeping People, der Vorband, schon ziemlich laut geworden…
Wollen wir kurz pausieren, bis die das Lied gespielt haben?
Jari: Können wir machen.
Wo liegt denn der MiniDisk-Player? Nicht dass der auf dem Boden liegt und mitvibriert.
Jari: Wie groß ist das Eingangssignal, audiomäßig? Hört man schon, ne?
Na ich verrat euch die nächste Frage noch nicht, weil sonst wird das ja langweilig, weil ihr sonst warten müsst und vor Antwortwillen brennt…
André: Ja.
Jari: Wir wollen ja lieber was Spontanes machen.
Ich hoffe, ihr verhungert auch noch nicht, weil ihr ja noch immer nicht essen durftet..
Jari: Ne, ach das geht.
André: Meistens essen wir später. Ein hungriger Musiker auf der Bühne ist meistens besser als ein fettgefressener.
Jari: Ja vor allem mit vollem Magen kann ich nicht richtig spielen. Das nervt total, so vollgefressen sitz ich dann hinterm Schlagzeug, und dann seh ich noch den André die ganze Zeit…
André: Das ist ja das Gefährliche.. dann muss ich dich immer sehen, dann fang ich an zu saufen nach der Show…
Jari: Deswegen bist du ständig zu…
André: So entstehen die Alkoholiker.
(beide lachend)
Jari: Müssen wir dann auf alle Fälle nochmal aufschreiben, dass wir ein bisschen in Kontakt bleiben.
Ich schreib euch auf jeden Fall, wenn das Interview fertig ist, aber erfahrungsgemäß kann das mal dauern.
Jari: Der Sommer kommt, da ist erstmal gut. Da sind wir erstmal mit Sonne zufrieden.
Ich geh euch einfach nachher noch nen Flyer, und da ist dann der Kontakt drauf. Wir haben ja auch noch andere nette Bands gefilmt…
Jari: Ja deswegen, würd ich mir gern mal angucken.
Der geht ganz schön lang der Soundcheck..
Jari: Also wenn für euch das nicht so schlimm ist..
Wenn ihr euch nicht anfangt zu langweilen…
André: Nö.
Jari: Ne wir können uns doch trotzdem unterhalten.
Und hinterher ist das dann alles doch in der finalen Version des Interviews…
Jari: Ich muss sagen, das war eigentlich so das schönste, ne, in Österreich hat uns auch ein Typ interviewt…
André: Rokko Anal.
Jari: …der kam halt auch an…
André: Kennt ihr den?
Ne.
Jari: …der hat irgendwie zwei-drei Bier mitgebracht.
André: Früher hat der ein Projekt gehabt, der hat nur Tapes gemixt, also hatte mehrere Kassettendecks – so wie ich das verstanden habe, ich mein, bei ihm weiß man nie so richtig… Er macht jetzt ein Magazin, nennt sich Rokko’s Adventures…
Das hab ich glaub ich mal gehört…
Jari: Sehr cooles Fanzine.
André: …und hat früher beim Big Load was gemacht.
Tolle Musikzeitschrift.
André: Gibt’s aber nicht mehr.
Ich weiß.
André: Und er macht halt son Nachfolgeprojekt, nennt das Rokko’s Adventures und macht das so für sich. Und entdeckt eigentlich sehr coole, abgefahrene Storys über abgefahrene über, was weiß ich, Schädelbohrer bis hin zu Leuten, die ein Schwein überfahren mit ner Dampfwalze und dann diese Platten da ausstellen.
Jari: Ja das ist halt super sympathisch, dieses Fanzine
André (weiterredend) : Und son Kram halt, also an Geschichten, an die du sonst gar nicht rankommst. Das ist eigentlich ein cooler Input so.
Jari: Das Sympathische, was ich find an dem Ganzen: Das geht halt los, das erste Fanzine, das der raus gehauen hat, da gings halt wirklich erstmal um seine Oma und seinen Opa, hat er mit denen ein Interview gemacht, das war halt super lässig. Und eben die ganze Atmosphäre – wir haben in Wien gespielt, der kam hoch, hat ein paar Bier mitgebracht und dann haben wir uns hingesetzt, der hat dort auf Record gedrückt mit seinem Aufnahmegerät und dann haben wir erstmal zwei Stunden über Gott und die Welt gequatscht und wirklich viel Blödsinn gemacht. Und das Schöne war letztendlich, dass er den ganzen Mist auch wirklich so aufgeschrieben hat. Also der hat das dann gar nicht so rausgepickt und wollte wissen, was unser Name bedeutet oder son Zeug, sondern wir haben dann halt über allen möglichen Kram halt gequatscht und das hats halt super angenehm gemacht. Und da ist in dieser kurzen Zeit, man kann nicht sagen Freundschaft fast entstanden, aber wir schreiben uns halt relativ regelmäßig – nicht oft, aber regelmäßig, einmal im Jahr ist ja auch regelmäßig – aber das hat schon echt Spaß gemacht.
André: Ich habe die Gitarrenspuren gelöscht und sie nachts heimlich wieder eingespielt.
Jari: Jaja. Also das ist immer auch ganz gut, weil das dann ungezwungener kommt. Grad wenn du auch vorbereitete Fragen hast, musst du ja auch versuchen, was dazu zu erzählen, und wenn das aus nem Gespräch entsteht, ist das natürlich immer für Künstler – obwohl wir eigentlich keine sind, André zumindest nicht…
André: Künstler! Das Wort Künstler ist ja eigentlich schlimm, oder?
Jari: Na es komt drauf an…
André: Doch, das ist echt schlimm, ey. Ich find das wirklich ganz schlimm.
Aber besser als Arbeiter.
André: Ja, das ist schon wieder so ne Assoziation.
Jari: Ich glaub, du hast nur ein Problem damit, weil die zu uns manchmal kommen und sagen “ja, eure Musik, das ist ja totale Kunst schon fast”. Und was das mit den Samples auf sich hat und alles. Da denken wir dann immer, ihr habt gar nicht verstanden, was wir eigentlich machen. Also ich finds gut, wenn die Leute das so abgefahren finden, hat ja auch irgendwas, aber man muss die dann manchmal runterholen und sagen, “hey, pass auf, du brauchst da gar nicht so viel reininterpretieren, das ist too much, also wir sind jetzt nicht die Mega-Künstler, die total abgefahren im Proberaum rumsitzen und sich dann übelst ne Platte machen, wie wir hier noch was verrückter machen können, sondern das passiert halt einfach.
André: Vor allem hat ja jeder irgendwie ne Ader zu irgendwas.
Jari: Ja, genau:
André: Irgendeiner malt halt Ostereier an und der nächste fährt halt Rennrad und irgendjemand macht halt Musik und der nächste malt halt.. Irgendwie hat ja jeder ne Ader für irgendwas. Manche gucken gern Fußball oder sind halt gerne mit Leuten zusammen – ist ja auch ne Unterhaltung für sich so…
Jari: Das Ding ist, egal was du machst, du musst nur kreativ sein und schon bist du Künstler.
André: Ja, genau.
Jari: Du kannst hier auf den Hof scheißen und wenn das, keine Ahnung, sonstwer machen würde, würden sich die Leute fragen “warum kackt der Mann auf diesen Hof? Das sagt irgendwas…”
André: “Was sagt mir diese Form?”
Jari (lachend): Juhu, das machen wir nachher. Weißt du, es ist eigentlich egal, was du machts, so bald du kreativ bist. Dieses Ding – das ist auch ein ziemlich berühmter Künstler gewesen, der ist wirklich mit ner Planierraupe über ein Schwein drüber gefahren und hat das dann ausgestellt. Wenn ich das jetzt hier machen würde, würden mich alle für total beknackt halten und sagen “Hey Junge, du gehörst eigentlich in die Klapse” und bei ihm war das dann so “krass”, und… keine Ahnung, was die Leute da rein interpretiert haben.
André: Die eigentliche Idee ist ja das Bescheuerte, auf diese Idee erst mal zu kommen, weil es ist ja totaler Nonsens, irgendwie, also das ist einfach nur ne Aussage, die ist “ein Schwein überfahren”. Einfach nur “ein Schein überfahren”, das ist die Aussage. Viele Leute intepretieren dann so viel rein, und dann kannst du nen beliebigen Satz sagen…
Jari: Aber selbst das. Wenn du jetzt sagst, dass ist “einfach nur ein Schein überfahren”, das ist auch schon wieder nur deine Interpetation, das ist ja das Abgefahrene.
André: Genau… genau.
Dadurch, dass es zu Kunst wird, machen sich die Menschen drüber Gedanken. Weil ja ein Schwein überfahren in einer Kultur wie der unsrigen was anderes heißt wie ein Schwein überfahren in der Türkei, wo das halt schmutzig ist oder so. Und da kann man ja Texte drüber schreiben und Dinge mit verkaufen.
André: Aber das Ding ist ja trotzdem: Er überfährt einfach nur ein Schwein. Er macht ja nichts anderes.
Stimmt. Aber die Kunst machen ja auch die anderen.
André: Genau. Das hab ich damit gemeint. Die Kunst machen einfach nur die anderen. Er führts einfach nur aus. Die Interpretation, was was ist, das machen andere Leute. Und deswegen sagen andere Leute “du bist ein Künstler”. Und verstehen das ja eigentlich gar nicht immer hundertprozentig, also hinterschauen die Sache nie hundertprozentig. Also du siehst zum Beispiel Fotos in dem seinem Magazin, da sind hunderte Leute ringsrum, ne. Ich glaub nicht, dass da auch nur ein Bruchteil – also da werden vielleicht 5 oder 10% werden wirklich sich dabei was denken oder das irgendwie verstehen, wie der das jetzt eigentlich meint, oder versuchen, sich in den hineinzuversetzen, aber – der Rest….
Jari: Das ist halt auch immer so ne Sache. Wir haben zum Beispiel bei den letzten Platten ja mit nem Künstler zusammengearbeitet, der heißt Torsten Solin. Der kommt ursprünglich aus Jena, war so ein totaler Sprayerfreak, hat supergeilen Scheiß gemacht.
André: Der hat das Dyse-Cover gemacht.
Jari: Und das Abgefahrene ist: Wir mussten uns zwischen zwei Sachen entscheiden. Das eine ist dieses Nutriababy auf dieser Blume, das in Milch schwimmt, und es gab noch so ne Reihe, die er gemacht hat, da hat er Frauen oben ohne fotografiert mit irgendwelchen toten Tieren um den Hals und so was – ich weiß nicht, ob ihr das schonmal gesehen habt auf seiner Seite.. – und was wir auch ziemlich gut finden. Aber es haben uns ganz viel Leute davon abgeraten, weil es irgendwie zu sexistisch wäre oder wie auch immer. Und das war dann letzendlich, weil uns so viele Menschen gesagt haben “Macht das nicht, das könnten irgendwelche Menschen in den falschen Hals kriegen”, haben wir das nicht gemacht.
André: …haben wir uns beinflussen lassen…
Jari: …was eigentlich bescheuert ist, weil wir’s eigentlich cool finden. Wir finden das nicht cool, weil Titten drauf sind, sondern einfach diese Atmosphäre, dieses Ding, was dieses Bild dir gibt, eben wenn’s auch schockt, wenn Leute hingucken und sagen “uah, was ist denn das, das ist ja krass!”. Das ist ja das, was es letztendlich auch ein Stück weit ausmacht und wir haben dann auch gesagt, eigentlich sollten wir uns gar nicht beeinflussen lassen und das machen was wir wollen und die Leute verstehen das dann schon, hoffen wir. Wer’s nicht versteht…
André: Das ist aber auch das Problem, dass alle Leute immer nur dieses sexistishe Ding sehen. Die gucken zuerst auf diesen Riesenvorbau und auf diese Riesennippel und im zweiten Moment wird das tote Tier erstmals gesehen. “Was ist denn das?” Dann wird erstmal genauer hingeguckt, was das eigentlich ist. Also das ist oberflächlich, einfach nur. Oberflächliche Entscheidungen. Und wir haben uns vielleicht ein Stück leiten lassen einfach nur von einer oberflächlichen Entscheidung, das nicht zu tun…
Jari: Ja. Ja die Entscheidung war dann schon deswegen…
André: …diese Cover zu nehmen. Aber du lernst ja immer ein Stück aus ner Sache. Und so lange man irgendwie aus ner Sache lernt für sich selbst…
Jari: Ich mein, man weiß auch nicht, inwieweit sich die Leute dann damit beschäftigen und sagen, “na bevor ich das jezt irgendwie abwerte, guck ich ersteinmal, was der Künstler für Arbeiten macht.”. Und ich glaub, wer sich die Seite anguckt, der sieht auch, wie schön das eigentlich ist. Es reicht ja, wenn das irgendwas Schönes hat, wenn man ein Bild anguckt. Man muss nicht sagen können, warum das schön ist, sondern man guckts an und findets einfach geil.
André: Dann applaudierst du aber auf die Vernunft der Leute. Und die Leute, die uns eigentlich abgeraten haben davon, applaudieren nicht auf die Vernunft der Leute, sondern applaudierten eher.. ich sag mal für uns, dass uns das irgendwie weiterbringt…
Jari: Die meisten, die uns abgeraten haben, fanden es eigentlich auch gut.
André: Dass man sich nicht selber nen Stein in den Weg legt, einfach so. Also das war denen ihr Bestreben, dadurch, dass die gesagt haben “nehmt das nicht”.
Jari: Du hast das doch gesagt, du hast alles zerredet. (lachend)
André (lachend): Du hast doch das Licht angemacht, die Haare in der Wanne gelassen.
Ich denke ab nem gewissen Punkt irgendwann kann man sich das vielleicht erlauben, wenn viele Leute irgendwie ne Sache kennen und ne Sache zu schätzen wissen, dann kannste auch anfangen noch mehr durchzudrehen oder dein Innerstes rauszuholen, sag ich mal. Und ganz am Anfang ist man ja noch bestrebt, so viele Leute wie möglich zu ziehen für sich, damit die irgendwie in den Kreis mitreinwachsen, und den Kreis kannst du dann halt verformen wie du willst. Das ist ja eigentlich immer so bei ner Band, irgendwie. Finde ich.
Jari: Ja gut, dann kommt es wieder auf den Anspruch an, den du als Band hast.
André: Ja, aber manche machen einfach nur Pogo, und für die ist einfach nur ganz wichtig, viele Leute da zu haben, die einfach nur Spaß haben und Pogo machen. Für die anderen ist das wieder wichtig. Und warum nicht? Es gibt ja viele Bands, die sowas machen. Die machen irgendwie nen Standard, und dann fangen sie an, völlig frei zu drehen und jeder fragt sich “was ist denn das jetzt? Um Gottes Willen”.
Jari: Das Abgefahrene ist glaub ich auch, was uns halt ziemlich viel passiert, ist dass wenn wir auf Tour sind, kommen ziemlich viele Leute und fragen “was hört ihr denn so privat und so?”. Die vermuten ja dann auch alle, dass wir den ganzen Tag uns nur irgendwelchen knalligen Noiserock uns ziehen. Und dann sagen wir halt… eigentlich hören wir ja alles, ob das Duke Ellington oder irgendwelcher Uraltjazz ist oder sonst was…
André: Miles Davis.
Jari: Das kann aber auch irgendwelcher Death Metal sein oder Punkrock-Krams, Elektronik-Krams. Muss halt irgendwie nur gut gemacht sein, es muss dir halt irgendwie was geben. Und die meisten Leute sind dann so “was, du hörst Aphex Twin” oder irgendwas und dann sind die immer “wow, das denkt man ja gar nicht von dir”. Die meisten denken irgendwie, du bist im Tourbus vier Wochen unterwegs und wenn du das Radio anmachst gehts “brczzyyhzzhzzh”und die sind dann immer total fasziniert, was sie eigentlich von uns so mitkriegen privat. Und das versuchen wir zumindest auch ein Sück weit weiterzugeben, dass die Leute den Kopf ein bisschen aufmachen einfach und sich auch mal andere Musik anhören. Ich mein es gibt von hundert Bands immer neunundneunzig Scheißbands irgendwie, aber selbst da sollte man erstmal dahinter gucken, was die machen, weil jede Band sich erstmal in Proberaum setzt und irgendwelche Songs schreibt. Und das ist auch das, was wir ein Stück unterschwellig den Leuten auch mitgeben wollen, weil wir doch, denk ich, vieles vereinen in dem was wir machen, da ist irgendwie Grind dabei, da ist Punkrock dabei, da sind elektronische Anleihen dabei, da sind eben auch Jazzsachen dabei. Deswegen haben wir uns ja auch ab und zu ein paar Gastmusiker dazugeholt, wir sind ja ab und zu mit nem Beatboxmann unterwegs, ich weiß nicht, ob ihr das noch mitbekommen habt, haben Songs mit dem zusammen geschrieben, wo wir eben viel mit Beatbox dann machen.
André: Mischa.
Jari: Der Mischa, genau. Schöne Grüße, hallo Onkel.
Und da versuchen wir halt zusammen aus vielen verschiedenen Genres was zu machen, um eben nicht in so ner Schublade dann zu landen, sondern das reinzuholen, was wir können und was uns gefällt. Wir haben auf der dritten Single, die wir gemacht haben, der Houthakkertije – was auch holländisch wieder ist – Freunde von uns geholt, die haben da Trompete drauf gespielt, und ich hab früher Trompete nie so richtig leiden können, aber wir saßen dann so im Studio und dachten “Mensch, was könnten wir da noch machen” und dann dachten wir so “Ey eigentlich müssten wir mal Trompete probieren, einfach mal probieren”. Dann haben wir die Kollegen geholt und ich find das total geil.
André: Aber halt auch wieder mit dem Aspekt rangegangen “Lass die mal machen, die sollen einfach losspielen, die sollen improvisieren, die sollen versuchen, sich frei zu fühlen einfach nur”. Und halt wieder versucht, dieses offene Gefühl rüberzubringen und die Spontanität, und im Endeffelt hat’s auch geklappt. Aber es war auch ein Stück Zeitdruck. Wenn du einfach nur Zeitdruck hast und weißt, du musst jetzt was machen, ist es manchmal auch sehr spontan. Und meistens sind eigentlich die spontanen Sachen die, die am längsten halten.
Jari: Ja, denke ich auch.
André: …die am längsten überleben, für Leute, die zu Konzerten kommen. Da kannste ein Stück basteln einen Monat, kannste noch so komplizierte Sachen reinmachen, es will einfach niemand wissen und irgendwann willst du es auch selber nicht mehr wissen.
Jari: Und du hast zusätzlich noch das Ding, dass wir auch versuchen, an den Songs immer weiter zu arbeiten. Also so ein Song ist irgendwie nie fix, und wenn wir den dann live ein paar Mal spielen, fangen wir auch selber an zu improvisieren, weil wir auch selber den Spaß einfach haben und haben wollen. Was halt noch dazu kommt: Wir haben auf der Fusion gespielt und es kam halt relativ gut an und die haben uns gefragt, ob wir nächstes Jahr nochmal kommen könnten. Und da haben wir gedacht: “Ja, würden wir schon gern machen, aber da würden wir die Leute auch gern überraschen wollen.” Die sollen einfach zu unseren Konzerten kommen und einfach manchmal was sehen, was sie nicht erwartet haben. Und dann haben wir halt so mit Chören rumgebastelt und das war für uns super anstrengend, weil wir da auch nicht so die perfekten Producer und Bauer sind, aber der Spaß hat halt irgendwie… (André richtet Jari den Hut) Sieht das nicht so cool aus?
André: Ja, red weiter
Jari: Jedenfalls haben wir da halt schön dran gearbeitet, haben Freunde eingeladen, haben halt diesen Scheiß gemacht, und das haben die Leute dann letzendlich auch angenommen. Also eigentlich die Leute, die Krach erwartet haben, haben dann so Chöre und Beatbox vorgesetzt bekommen und Akustikgitarren und es war trotzdem gut.
Das finde ich halt gut, an sowas zu arbeiten und den Leuten nicht immer das Selbe zu geben, sondern die können ruhig mal ein bisschen auf so nem Musikknochen rumkauen und auch rausfinden, dass es eben auch was anderes Schönes gibt.
Haben die Musiker dann improvisiert oder habt ihr ihnen was vorgegeben?
Jari: Wir haben das zusammen geschrieben. Also wir haben die eingeladen zu uns in den Proberaum und haben dann gesagt: “Ok, was könnte man machen?”, und haben dann zusammen die Ideen zusammen getragen und haben dann einfach ausprobiert, was allen so gefetzt hat, bis wir diesen Konsens hatten.
André: Im Endeffekt hat man denen nur den Part vorgesetzt, der schon da war, und daraus sollten sie dann was machen. Das war halt einfach das Ding, oder?
Jari: Hmhm. Also sehr frei.
André: Was auch ganz gut gelungen ist, muss ich sagen, also was sie auch wirklich gut gemacht haben. Es sind halt immer mehr Leute im Hintergrund als man vermutet manchmal. Die Idee, was zu machen, ist ja dann letzendlich doch unsere, also wächst eigentlich schon alles auf unserem Mist, so. Manchmal ist es wirklich Mist (beide lachen).
Jari: Aber guter Mist, das ist der Unterschied.
André: Manchmal kommt ne Tulpe raus. Stinkt zwar, sieht aber gut aus.
Jari: Das ist wichtig.
Ja, Mensch, jetzt haben wir schonmal gut gequatscht, find ich gut.
André: Auf jeden Fall. Jetzt nehmen wir noch ein paar Platten auseinander, und dann..
Jari: Ja, was hörst du eigentlich zur Zeit grad, hast du irgendeinen Favourite?
André: Miles Davis, da hör ich mich grad rein. Muss ich mich erstmal rantasten. Und ziemlich viel Jazzkram, da sind auf jeden Fall interessante Sachen dabei, die jetzt als hypermodern empfunden werden, wenn man’s mit anderen Instrumenten spielt. Was die Leute schon vor 30-40 Jahren gemacht haben, bloß in nem anderen Soundgewand. Und das fasziniert mich immer so. Auch alte Klassiksachen. Letztes Mal, als wir hier in Leipzig waren, waren wir in der … wie heißt die? Jakobikirche? Jacob…
Nicolai?
André: Nicolai! Da war ein Orgelkonzert, Bach, und es war absolut disharmonisch. Also das tat manchmal richtig weh, eigentlich. Der Sound war absolut imposant
Jari: Vielleicht hast du schlecht gesessen?
André (lachend): Ich war lange nicht auf dem Klo und wir haben Klöße davor gegessen… Ne, aber es saßen halt alte Leute mit drin, wo du halt angemerkt hast, die sind jetzt absolut vertieft, die waren halt auch gläubig, und die hat das überhaupt nicht gestört, diese ganze Disharmonie und so. Und dann spielst du denen irgendwas vor, was einfach nur Instrumente machen, ich sag mal “moderene Instrumente”, und da kommen sie überhaupt nicht mehr klar damit. Es ist ganz schlimm, Ohrenzuhalten oder sonst so was. Und dann gehen die in die Kirche und hören sich eigentlich das Selbe, genau das Selbe an. In grün. Das ist halt eigentlich immer wieder verblüffend, wie das manchmal ist, also so’n Soundgewand, was das eigentlich bewirken kann. Da kannste eigentlich die ganze Zeit immer nur einen Ton spielen, und wenn du den immer in ein anderes Soundgewand bekommst, dann sind das zehn verschiedene Songs, eigentlich.
Jari: Es wär eigentlich echt mal interessant, wenn Mozart mit den Mitteln, die man jetzt hat, Musik basteln würde.
André: Oh yes.
Jari: Ich meine, es gibt ja dann doch einiges mehr so… ich denke, das wär ziemlich abgefahren. Aber wer ist schon Mozart!
André: Ich denk mal, Punkrock.
Jari: Das wär doch geil.
André: Ich denk, der stand auf Pogo (beide lachen).
Jari: Ja, das wär doch mal was.
André: Ich denk schon.
Jari: Das wär echt mal interessant, so Bach oder…
André: … in seinem Wiener Café..
Jari: …das wär mal witzig.
Ja wahrscheinlich wäre er dann nur nicht mehr berühmt. Also nicht zumindest so sehr wie er das jetzt ist. Der würde dann untergehen in einem Kanon von anderen, die auch elektroakustische Musik machen..
Jari: Ja, die Gefahr ist groß.
André: Das war ja eh ne krasse Zeit da. Vielleicht sogar noch ein Stück vor Mozart…
Jari: Nen Meter, meinst du jetzt, davor?
André: Als der in den Wald gegangen ist, mein ich.
Jari: Ach damals, der war ja fast nur im Wald.
André: Der hing ja nur im Wald rum. Hat Pilze gesammelt und so nen Kram (beide lachen).
Aber diese ganze Klassik-Geschichte, ohne Drums und Kram, ohne Schlaginstrumente, irgendwie ohne Rhythmus. Einfach nur die Handhaltung war’s wichtigste.
Jari: Echt?
André: Ja. Die Handhaltung bei ner Frau war das wichtigste. Was das Tanzen jetzt anbetrifft: Stepdance und sowas!
Jari: Wobei das ohne Schlagzeug ja gar nicht so stimmt. Wenn du mal siehst, wie lange es eigentlich.. selbst zu Urzeiten haben die schon rumgetrommelt.
André: Ja, aber nicht hier, in unseren Breitengraden, das mein ich!
Jari: Ja gut, doch, es gab mal ne Zeit lang die Märsche, und die gibt’s schon ziemlich lange und da haben die extrem viel mit gemacht.
André. Ja ok, Marsch.
Jari: Das muss man schon noch dazu sagen.
André: Man weiß halt absolut gar nicht, worauf die Leute abgegangen sind. Man müsste halt nochmal…
Jari: …ne Zeitreise machen!
André: Ich fahr morgen nochmal zurück.
Jari: Da buchen wir das mal. (beide lachen)
Spul nochmal zurück, alles mach ich andersrum.
Da kommen wir dann zum Universum, wie ist das entstanden, du hast doch da ne Theorie…
André: Furz.
Jari: Knall! Schlangoide haben das äh…
André: Schlangoide Trojokaner… (beide lachen).
Jari: Aber was macht ihr eigentlich, so nebenbei mal? Wenn ihr nicht gerade Interviews macht.
Ich studiere nebenbei, aber das mache ich auch mehr so als Zustand, weniger als Tätigkeit, wie man so schön sagt. Ich spiele in ner Band, auch, aber wir haben alle Lieder wieder weggeworfen und dachten, wir machen erstmal nur Improvisation, was wir jetzt auch schon wieder seit nem Jahr tun. Wenn man zu lang dran arbeitet, mag man die Lieder nicht mehr hören, bevor sie fertig geworden sind. Deshalb jammen wir im Proberaum.
André: Ach das kommt alles wieder irgendwann. Also bei guten Sachen ist es so, die vergisste, und dann sind sie irgendwann wieder da. Und dann spielst du sie völlig anders, weil du schon wieder viel mehr Erfahrung hast. Find ich eigentlich gut, das ist oftmals so. Ich vergess ständig, was wir spielen.
Jari: Tschuldige, ich hab grad nicht zugehört (beide lachen).
André: Du hast’s schon gehört.
Jari: Ja und weiter gehts in der Runde.
Sven: Ja ihr dürft mich hier ja gar nicht angucken.
Stephan: Wir sind Phantome.
Sven: Vielleicht können wir den Moment nutzen, wo grad kein Soundcheck ist.. aber wir können ja nachher noch ein bisschen quatschen.
Jari: Genau. Ok. Dann wollen wir mit der nächsten Frage weitermachen?
André: Wie geht’s denn dir?
Jari: Mir geht’s gut.
André: Dir geht’s gut? Ich hatte gelesen, hier soll’s gutes Essen geben..
Ach ja, die nächste Frage: Ich hatte gelesen, dass eure drei Seven Inches als Trilogie bezeichnet wurden in eurer Presseinfo – nicht, dass ich die gehört hätte, weil die stehen ja irgendwie doch nicht überall im Plattenregal – (dyse machen den Anschein, aufstehen zu wollen)
André: Sie kennt nicht den Song “Leck mich am Arsch” (beide lachen).
Ich bin wenigstens ehrlich. Ja wie ist das zu verstehen? Sie heißen ja verschieden…
André: Es war geplant als Trilogie in dem Sinne, einfach nur drei 7”s zu machen.
Jari: Als erstes Output.
André: Genau. Das war der erste Plan, wirklich an drei 7”s festzuhalten, weil es gibt viel zu wenig Bands, die das machen – meistens gehts sofort um ein Album, also ne große Platte oder irgendwie ne DVD oder nen Film oder Video, aber es geht nie um eine kleine, kompakte Sache. Und ne kleine, kompakte Sache, die frisst man halt schnell. Also die kannste schnell herstellen, relativ, da kannste gut mit arbeiten, um erstmal reinzukommen und du kannst halt verschiedene Sachen in ner kurzen Zeit auf verschiedene Sachen wieder packen. Du kannst ein breites Spektrum füllen einfach so. Das war eigentlich die Idee dahinter und dann kam das: “Lass uns einfach die drei 7”s machen.” Es hätten natürlich auch drei Tapes werden können oder irgendwas.
Jari: Ja ne, Tapes nicht. Wir hatten uns schon überlegt, was auf Vinyl zu machen, weil immer weniger Leute…
André: Vinyl ist schon sehr geil.
Jari: …Vinyl gemacht haben uns son Vinyl ist halt auch.. du kannst es nicht einfach mal schnell brennen und so. Und wir dachten, es wär schon schön, mal so ein kleines Baby zu haben, das man erstmal schön gemütlich sich so hinstellt. Und natürlich: Erstmal bist du auch nicht verpflichtet, ein ganzes Album zu machen und hast ein bisschen Spielraum. Du kannst mehr Songs aufnehmen und die etwas besseren raussuchen oder wie auch immer. Und so war das die Idee. Auch natürlich erstmal überhaupt nen Output zu haben. Ich weiß nicht, wann wir das erste Teil aufgenommen haben, aber da war eben noch kein Album drin und wir wollten aber ganz gern irgendnen Output haben und da haben wir mit der “Honig” angefangen, die übrigens sehr gut ist – du solltest die mal anhören – und haben dann einfach nachgelegt, weil halt die Idee der Trilogie da war. Und die erste, die “Honig” ist jetzt ausverkauft, die letzte haben wir jetzt in Dresden verkauft…
André: Die gibts jetzt nicht mehr.
Jari: …leider…
André: Aber bei der Trilogie hats ja eigentlich schon angefangen, dass wir uns Gastmusiker geholt haben. Und damals war halt der Kreis einfach noch enger, Nico und Boris haben dann von Volt noch mitgemacht – so einige Sachen, eher Schmankerl, so ganz minimalistische Sachen – und so hat sich das eigentlich alles aufgebaut und bei der dritten von der Trilogie, der “Houthakkertije”, hat der Mischa noch mitgemacht, der Beatboxmann, dann kamen die Bläser.. Und so hat sich das eigentlich aufgebaut, diese ganze Sache. Und ich denke, es wird nicht so schnell wieder ne 7” geben.
Jari: Naja mal sehen, müssen wir mal gucken…
André: Ne 7” kannste halt schnell machen und schnell raushauen, wenn du ein bisschen Material hast.
Jari: Und das Schöne war: Es gibt eigentlich von so vielen Sachen Trilogien, die funktionieren – wir dachten so an “Herr der Ringe” zum Beispiel.. 3 Teile, da machste auch so was in der Art…
André: Lindenstraße, der 3-Teiler (beide lachen).
Jari: Lost, 3 Staffeln und so was.
André: Wenn der Eismann dreimal klingelt..
Jari: Ne das war auch glaub ich so die Idee. Das ist halt alles so reingekippt in dieses Trilogie-Ding. Das waren schon einige Gedanken, die da so zusammen gekommen…
André: Drei Musketiere.
Jari: Drei Musketiere!
Ja nee. Ich glaub, der Gedanke war, schon erstmal mit Vinyl irgendwas zu machen und eben auch diese Trilogie mit dem Gedanken: 4 ist zu viel, 2 ist zu wenig, 3 passt genau.
André: Sobald du ja ne Trilogie machst, hast du ja drei verschiedene Produkte, sag ich mal, daliegen, wo du immer dann wählst. Ich selber, wenn ich irgendwo hingehe und sag: “Hm, was nehm ich jetzt?”, dann greifst du ja auch immer in so ne Schublade, ne Sparte rein. Genauso verhält es sich eigentlich mit der Trilogie, also das ist wirklich gewachsen. Die ersten drei Singles sind wirklich komplette Wachstumsschübe.
Jari: Nächste Frage!
André: Man kann das halt hören. Wenn man alle drei hört, dann kannst du schon das zeitlich so abmessen, wann was passiert ist. So: “Ah, jetzt kann er ja ein F spielen.”
Jari: Ja. Es wird immer schlechter.
André: Ja. “Das soll er mal lieber weglassen.” (beide lachen)
Und was hat die 7” jetzt vor anderen Vinylformaten? Man hätte ja auch drei 10”s machen können. Die sind zwar teurer, aber..
André: Ja, genau aus diesem Grund.
Jari: Da liegt der Punkt. Wir hatten keinerlei finanzielle Unterstützung wie so eigentlich die meisten Kapelle, die so rumschwirren…
André: Leider, leider Gottes.
Jari: Und von daher war das natürlich auch ein wichtiger Grund, die finanzielle Sache…
André: In diesem scheiß Staat.
Jari: …dass wir gucken, dass wir’s selber bezahlen können, und da war die 7” natürlich auch die optimale Lösung. Für Vinyl, natürlich.
André: Also das ist halt extrem schön, wenn du siehst in anderen Ländern, wie sehr die Bands und generell so junge kreative und alte kreative , fast tote kreative – tote Kreative! und nicht geborene kreative! - Leute eigentlich extrem unterstützt werden vom Kulturfond.
Jari: Ist das ne Deutschlandkritik?
André: Ne, das ist einfach nur die Kritik dafür..äh.. Ja.
Jari: Nein, äh ja. (beide lachen).
André: Hier zuständige Behörden müssten sich eigentlich viel mehr kümmern so. Das ist schon schade.
Jari: Also rein kulturell müsste überhaupt viel mehr passieren, ne?
André: Ja, defintiv.
Jari: So, Statement.
André: Genau, jetzt ham wirs.
Stimmt. Aber ich glaub, das wird nicht passsieren hier.
Jari: Ja die Befürchtung haben wir auch.
André: Aber das liegt an den Leuten. Die Leute machen die Party.
Jari: Ach jetzt bin ich schuld!? (beide lachen)
André: Die Leuet machen die Party, so siehts aus.
Ok, nächste Frage: Welchen Einfluss hatte es auf eure Musik oder. auf eure musikalische Sozialisation, dass ihr in Chemnitz bzw. einem Ort, den ich nur in der Wikipedia gefunden habe – Neustadt an der Orla – aufgewachsen seid? Weil da gibt es ja…
André: Karl-Marx-Stadt.
…ja. Weil da gibt es ja wenig…
Jari: Intellektuelle!
André: …Supertypen wie wir.
…also eine beschauliche Musikszene, würde ich jetzt behaupten.
Jari: Also in Chemnitz war ziemlich viel, aber das weißt du natürlich besser.
André: Also in Chemnitz gingen eigentlich schon immer verschiedene Sachen, zum Beispiel AG Geige – weiß nicht, ob euch das was sagt – die haben früher zu DDR-Zeiten angefangen, haben so ziemlich als erste ostdeutsche Band mit Commodore, C64, und so nem Kram gearbeitet, und haben eigentlich ziemlich coole Sachen gemacht. Die haben zum Beispiel auch nen Song, der heißt „Amerika“… also hier Rammstein und so…
Jari: Ja…? Ich weiß es nicht.
André: Die haben das eingespielt für die. Und haben nackt auf der Bühne getanzt in SED-Uniform. Es ging eigentlich schon immer was, aber das Problem in Chemnitz ist, dass alles irgendwie niedergetreten wird, dadurch dass.. Also Leute sagen zum Beispiel: „Ich geh dahin; ich will mit den Leuten von da nichts zu tun haben. Wenn du dorthin gehst – dich kenne ich nicht mehr.“ So ungefähr. Also du kannst aneinander vorbei gehen eigentlich. Das ist zum Beispiel in Jena viel besser. In Jena ist das alles irgendwie offener.
Jari: Ja, ich wohne ja jetzt in Jena, aber in Neustadt, wo ich aufgewachsen bin, da gabs musikalisch nicht viel. Es gab eine Band, die mich sehr begeistert hat und ich glaub, das war auch der Grund, warum ich mit Musik angefangen hab. Und dann ich mir irgendso ein Rumpelschlagzeug geholt und hab dann eigentlich versucht, alles so zu konsumieren, was mir in den Rachen gefallen ist. Und dann war es halt ne Kleinstadt, da war halt gar nichts los, da war halt die Alternative, Musik zu machen. Und da hat man sich dann, statt irgendwo auf der Straße zumzuhängen, mit irgendwelchen Leuten nen Proberaum gesucht und angefangen, irgendwas zu machen. Und je nachdem, wie man da gerade musikalisch beeinflusst war, lief das dann in die Richtung. Ich bin dann relativ spät eigentlich, mit 20/21 Jahren nach Jena gekommen, und da gabs dann musikalisch schonmal ne ganze Ecke mehr. Und dann haben wir uns auch schon kennengelernt. Das waren dann einfach die Einflüsse, die man da so mitgenommen hat – du hattest einfach Zeit, es war eine kleine, bekackte Stadt, wo gar nichts los war, im Gegensatz zu Chemnitz, wo dann wenigstens ein bisserl was ging. Und so haben wir uns dann die Abende vertrieben mit Musik machen, rumhängen und ein Bier trinken….
André: Ein halbes.
Jari: …und naja, was man halt so macht aufm Halbdorf. Ein halbes. Ja das war klar, wir mussten uns dann als Band reinteilen. Ne das hat einen schon beeinflusst, auch das mit Freunden Musik machen. Man hat es dann nicht so wie in der Großstadt, wo dann Zeitungsannoncen in der Zeitung stehen logischerweise und man sich halt melden kann und sagen kann: „Ja ok, wenn ihr nen Bassisten braucht – ich bin einer und es interessiert mich eigentlich auch ganz gut so…“ Und das Schöne war eben, mit Freunden Musik zu machen in dieser Stadt und nicht mit irgendwelchen Leuten und mal zu gucken, wie’s passt. Na und das ist mittlerweile halt nicht mehr so, mit Freunden Musik machen.. na, André?
André: Ne. Ich mag mich nur selber.
Jari: Ja, ich glaube das hat mich geprägt. Ich glaube, ich könnte mit fremden Leuten auch rein professionell Musik machen, aber dieser Spaßfaktor oder auch das, was einem Musik geben kann, wäre dann halt anfangs zumindest nicht gegeben. Man muss dann halt immer gucken, was sich so entwickelt. Aber das hat mich dann schon geprägt, mit Freuden Mucke zu machen.
André: Und vor allem ist es die Sache: Chemnitz ist ja relativ ruhig. Genau wie Neustadt an der Orla, da ist ja auch rein gar nichts.
Jari: Ey zu Fasching ist da die Hölle los. (beide lachen)
André: Und das 365mal im Jahr.
Aber du hast dann auch nicht diesen Input von der Großstadt. Da kriegste ja so viel Input, was du machen kannst. Und da fangen halt auch viele an, sich unterzuordnen, irgendwie. Und dort kannst du halt einfach frei sein, nackig übers Feld hüpfen und schreien: „Die Hexe ist tot.“ Und alle findens gut. Also nur du, denn du lebst allein da. (beide lachen). Aber du bist halt nicht so sehr beeinflusst. Da ist eigentlich alles relativ offen und du lässt einfach nur das an dich ran, entweder was dich umgibt, oder was du an dich ranlassen möchtest. Das ist halt in Großstädten, denke ich, sehr schwer.
Also es gab zumindest von einigen Leuten mal: „Geht mal dahin, geht dahin, geht dahin“, und selbst hat man eigentlich auch schonmal drüber nachgedacht, vielleicht irgendwo anders hinzugehen, in ne größere Stadt, weil ja eigentlich alles naheliegender ist. Um vielleicht schneller vorwärts zu kommen oder spezifischer vorwärts zu kommen. Aber es hat halt seine Vor- und Nachteile.
Deswegen sind wir heute hier.
Jari: Ich weiß nicht, ob das deine Frage beantwortet, aber wir haben wenigstens was gesagt.
André: Das wollt ich einfach mal loswerden. Also das ist halt der Grund, weswegen Neustadt/Orla, Chemnitz, wie das so beeinflusst…
Ach scheiße, jetzt sitzen wir hier.. (fasst sich an den Kopf)
Jari: Jetzt sind wir hier gelandet..
André: Mann, ich wollte in der Oper von Paris spielen. Ich geh jetzt.
Jari: Es sind noch Fragen, wir müssen das jetzt klar machen.
Naja, so viele sind es nicht mehr. Aber eine ganz klassische, die ihr wahrscheinlich immer gefragt werdet:
André: Klassische Fragen werden abgelehnt.
Wie wichtig ist ein Looper, wenn ihr Musik macht?
André: Looper?!
Jari: Ach so, so eine Maschine, die dann…
Ja, ein Effektgerät, das loopt. Beziehungsweise: Wie schwierig ist es, zu zweit im Proberaum Musik zu machen und sie dann live wieder umzusetzen?
André: Das möchte ich mal klarstellen, wir benutzen keine Looper, das ist wirklich nur eine reine Gitarre und ein reines Schlagzeug. Bis jetzt.
Jari: Ich glaube, es ist ganz interessant, mit so nem Looper zu arbeiten. Definitiv, es gibt da schöne Sachen. Aber wir haben es bis jetzt nicht genutzt, weil wir es nicht gebraucht haben, weil wir uns doch freier fühlen, mit dem was wir machen können. Weil man sich ja auch da ein Stück einschränkt, man muss sich ja auf diesem Loop bewegen. Wie haben auch schon drüber nachgedacht, André hat sich so ein Teil auch mal zugelegt und wir haben ein bisschen rumgespielt. Ich denke, da kann man auch bestimmt noch schöne Sachen machen. Aber im Grunde genommen wollen wir das auch nicht so als Mittelpunkt unserer Musik aufbauen oder nehmen. Viele loopen das und spielen dann drauf und dann klingt das, als ob da zehn Gitarren drauf wären. Aber wir finden das eigentlich ganz gut, das so rough zu lassen, wie es jetzt ist.
André: Es ist halt trotzdem noch ne Maschine, irgendwie.
Jari: Ist interessant, aber…
André: Ich bin mir sicher, man kann das anders einsetzen. Defintiv.
Jari: Nämlich nicht loopen, einfach so lange laufen lassen, bis es irgendwann vorbei ist und der Speicher platzt.
André: Einfach nur das Metronom durchlaufen lassen. Oder einfach nur anstecken, das wärs doch schon. (beide lachen).
Nee, aber bis jetzt nutzen wir eigentlich null Looper. Der einzige Looper, der sind wir. Wir loopen ja generell alles.
Jari: Ich denke wirklich, dass das interessant ist. Weil ich auch darüber nachgedacht habe, das schlagzeugmäßig zu nutzen, weil man wirklich eben auch viel damit arbeiten kann. Aber… das muss man halt auch wissen, wie man das einsetzt. Das Problem ist bei Effekten, die klingen halt immer ganz gut und man neigt dann schnell dazu, das einfach zu übertreiben damit und dann ist es too much. Wir nutzen es nicht, aber man schöne Sachen damit machen.
André: Aus den Fingern kommt der Sound.
Jari: Es wird schon irgendwann mal kommen, auch um selber ein Stück weiterzukommen und mal neue Ideen reinzubringen.
Das heißt, ihr könnt alles, was ihr euch ausdenkt, zu zweit umsetzen live?
André: Ja. Wir transponieren eigentlich nur das, was wir im Proberaum machen, auf die Bühne. Mehr machen wir eigentlich nicht. Also da gibt’s nicht irgendwie speziell ne Show.. na gut, ein paar Tanzschritte haben wir und eingeübt… (beide lachen).
Jari macht nen Kopfstand am Schlagzeug…
Jari: Ne das ist uns auch wichtig, dass wir überall so spielen können, wie wir sind. Ohne Effekte, ohne alles, dass wir uns einstecken können oder einfach ans Drum setzen und losspielen und dass jetzt nicht so ein extremer Unterschied wäre wie wenn wir mit Effekten arbeiten würden. Da passen wir zumindest auf.
André: Meist ist man ja übersensibel mit Effekten. Das mein ich jetzt so, dass man Effekte überbewertet, wenn man sie selber nutzt, indem man ein Effektgerät auspackt und sofort alles irgendwie reindreht. Das muss halt immer komplett sein, alles was es hergibt. Und manchmal ist halt weniger mehr. Ich mein, ich hab zwar viel Kram rumstehen, aber das ist eigentlich nur, um mal irgendwas lauter zu machen oder leiser zu machen. Ansonsten arbeiten wir nur mit den Sachen, die wir zur Verfügung haben. Das reicht eigentlich. Es gibt ja tausend Möglichkeiten, Milliarden, Billiarden… Trill… wie heißt das?
Jari: Zill..
André: Zilliarden. (beide lachen)
Aquilliarden.
Ja.. ich spar mir die Frage, wieso ihr zu zweit seid.
André: Weil wir einen schlechten Basser suchen und noch keinen gefunden haben.
Jari: Warum sind wir zu zwei? Das wissen wir eigentlich auch nicht so richtig. Das Ding ist, dass wir das jetzt nicht darauf beschränken, weil wir unbedingt ein Duo sein wollen, sondern es hat sich so ergeben, dass wir zu zweit angefangen haben: Und das Schöne ist: Wir fahren rum als Duo, aber wir waren jetzt, als wir auf Tour waren, stellenweise mit 18 Leuten auf der Bühne. Dann waren wir halt eben kein Duo mehr. Wir wollen das eben nicht fixen, das lässt uns halt mehr Freiraum, rumzuexperimentieren. Und das ist gut so. Und das Schöne ist auch: Viele Bands werden das kennen – im Proberaum ist es einfach ne bessere Kommunikation. Wenn André mir was vorspielt und mir gefällt das, dann können wir das spielen. Da ist kein Basser – nichts gegen euch Basser – oder irgendein anderer Musiker, den man fragen muss. Entweder es funktioniert, oder es funkltioniert nicht.
André: Es ist halt ein extrem kurzer Weg so. Wenn du jetzt noch eine dritte Person mit dabei hast, wie zum Beispiel mit dem Mischa, mit Beatbox, ist das ja eigentlich schon wieder ein völlig anderes Instrument, was er eigentlich außen vor macht. Und wenn er dann genauso tickt, was er eigentlich macht, dann hast du wieder nen kurzen Weg. Aber wenn du jetzt noch Leute da hast, drei-vier Leute meinetwegen, so ne große Band, dann brauchst du halt immer nen Leader, irgendjemand, der sagt: „So und so geht’s lang.“ Und so schmeißt du dir einfach nur Sachen hinterher. Und das geht eigentlich ganz gut. Also macht Spaß, auf jeden Fall. Es fällt auf jeden Fall leichter, spontan zu sein.
Jari: Gerade live merkt man es dann auch, gerade weil wir ziemlich gut kommunzieren live – wenn man das so nennen kann, ich weiß es nicht.
André: Wenn sich zum Beispiel Jari verspielt, kann ich viel schneller drauf reagieren.
Jari: Genau. Und weil ich mich ständig verspiele, denken viele Leute: „Das ist ja wahnsinnig, wie der das improvisiert. (beide lachen)
Ja, aber weiß nicht, da gibt es eigentlich wirklich keine Antwort. Es ist nicht so, dass wir für die Duos kämpfen, dass auch Duos das schaffen können, was man als 4-5-Mann-Kapelle schafft. Es hat sich so ergeben.
André: Auf jeden Fall ist es ziemlich cool, wenn Leute generell Musik machen. Es sollten viel mehr Leute Musik machen. Noch mehr Leute und noch mehr Leute. Kinder und Musik machen.
Jari: Kinder machen und Musik machen?
André: Also Kinder machen, die Musik machen.
Jari: Gut, das ist eine gute Idee.
André: Aber vorher muss das schon feststehen.
Jari: Klar. Die Kinder haben dann.. müssen natürlich…
André: Die müssen ja generell mit 18 auf die Welt kommen, sofort anfangen mit arbeiten – ist ja logisch.
Kurze Zwischenfrage: Die Bänder sind noch nicht voll, oder? - Noch 4 Minuten. - Oh, dann machen wir kurz, was ja ganz wichtig ist, bevor die Bänder plötzlich abbrechen.. dass ihr sagt: „Wir sind dyse, und ihr schaut wennsrockt.“ Und danach gucken wir, ob wir noch ne Frage hinkriegen.
Jari: Wir sind dyse…?
…und ihr schaut wennsrockt.
In diese große Kamera.
André: Sollen wir das sagen, oder was?
Ja, das sollt ihr sagen, und da rein gucken. Und ihr könnt das zusammen machen oder…
Jari: Wir sind dyse, und ihr schaut wennsrockt.
…im Wechsel oder im Kanon oder…
beide singend: Wir sind dyse, und ihr schaut wennsrockt. Wir sind dyse, und ihr schaut wennsrockt.
André: 3-8.
beide: Wir sind dyse, und ihr schaut…
André: …wenns…
Jari: …rockt.
Wow, kool.
Jari: Noch einen?
beide: Wir sind dyse, und ihr schaut wennsrockt.
Super. - Schön. - Also eine Frage muss ich ja schon noch loswerden, da noch vier Minuten Platz sind.
André: „Habt ihr Hunger?“
Das hab ich euch vorhin schon gefragt. Nee, aber ihr hattet euer Konzert mit ner Talkshow unterlegt letztes Mal, als ich euch gesehen hab, und äh, ja: Habt ihr ne Lieblingstalkshow?
André: Ist alles Nonsens, alles Bullshit und alles vor allen Dingen super lustig. Also die Leute wissen gar nicht, was da für eine Comedy einem entgeht. Machmal.
Jari: Lieblingtalkshow haben wir sowieso nicht. Das war für uns im Proberaum damals eher so ein Mittel, uns selber ein bisschen abzufeiern – als ein Mittel zu nutzen, auch live, dass Leute.. Gut, die denken dann drüber nach, „ja, Fernsehen ist scheiße“. Bloß die meisten Leute, die zu unseren Konzerten kommen, wissen das eigentlich, dass zu 80%, was man konsumieren kann televisionsmäßig, dass das eigentlich Bullshit ist. Aber für uns war das witzig, und für die Leute auch. Natürlich mit dem Gedanken, „ey, wenn ihr schon Fernsehen guckt“ – natürlich, wir sagen ja nicht, dass Fernsehen scheiße ist, aber man sollte einfach mal gucken, was man sieht im Fernsehen. Man kann ja auch viel rausholen. Aber man sollte halt nicht den ganzen Tag dasitzen und sich diesen Kacktalkshowmist reinziehen. Und grad wenn man das nur akustisch hört, also ohne die Bilder dazu, kriegt man nochmal extrem mit, wie bescheuert das eigentlich stellenweise ist.
André: Und es wandelt ja immer. Jetzt sinds ja nicht mehr Talkshows, jetzt ist es irgendwas anderes. Irgendwelche Leute ziehen nach Grönland und versuchen da, Hopfen anzubauen.
Jari: Hopfen zu essen, bis sie platzen.
André: Und sich zu sonnen, bis sie weiß sind oder sowas.
Jari: Ich glaub, das ist das, wo wir eigentlich drauf aufmerksam machen wollten, was aber eigentlich unnötig ist, weil die meisten wissen das schon.
André: Jaja, die meisten wissen das.
Jari: Nicht alle.
André: Es war mehr son lustiger Punkt irgendwie.
Jari: Und es ist auch schon.. wir müssen schon oftmals schmunzeln, wenn wir so zuhören, was da läuft. Es ist schon abgefahren.
André: Zumindest hat letztens mit Volt ne Band gespielt zusammen, die haben es genauso versucht. Das war schon mal beängstigend anzugucken, dass jemand versucht, irgendwas zu kopieren. Fand ich sehr heftig.
Jari: Echt?
André: Hm. Fand ich extrem heftig.
Jari: Wer war das?!
André: Ich. (beide lachen)
Ne, aber das war irgendwie beängstigend. Da hast du dich unwohl gefühlt in deiner eignen Haut. War ganz komisch. Aber na gut, egal.
Jari: Es gibt jedenfalls keine guten Talkshowas, jedenfalls in diesem klassischen Sinne, wie wir es auch nutzen live. Wenn ihr eine kennt, sagt uns bitte Bescheid.
Ich schau kein Fernsehen.
André: Wie hieß der Typ? Mattscheibe.. der ist ganz gut. Kalkhofs.. Oliver Kalkhofs.. Aber das ist ja schon wieder ne Show, was der macht.
Jari: Auch Olli, du warst auch mal besser.
André: Hmhm. Als du noch mit fünf L geschrieben wurdest. Und großem I.
Jari: Gut, soweit das mit der Talkshow.
André: Ich muss mir jetzt noch nen Ingwertee machen.
Jari: Noch schnell einen Ingwertee?
André: Ja.
Jari: Was brauchen wir denn noch für schöne Fragen?
Ich glaub, das Band is eh voll. Ich hab zwar noch ein paar, aber.. – wir haben noch 40 Sekunden – aber eigentlich…
Jari: Na los, ganz schnell!
Aahh.. Wenn ihr eine neue Person kennenlernt, wann erzählt ihr ihr, dass ihr in einer Band spielt, dass ihr Musik macht, was für Musik ihr macht..?
Jari: Das kommt drauf an, wann das Thema kommt.
André: Sofort natürlich.
Jari: Hallo, ich spiele in ner Band; wer bist du eigentlich? (beide lachen)
Ne, das kommt ausm Gespräch raus. Da bin ich auch ganz froh, wenn man das ein Stück zurückhalten kann.
Nächste Frage, komm schnell, das schaffen wir noch!
Ok. Ich hatte eigentlich nur noch eine sehr ähnliche zu der Talkshowfrage, nämlich, wo ihr das Arbeitsamtsample her habt.
Jari: Müsste „Vera am Mittag“ sein, glaub ich.
André: Denke ich.
Jari: Aber ich weiß es auch nicht genau.
André: Aber den Satz sagt ein Professor, und das ist das allerwichtigste.
Jari: „Ihr könnt nämlich auch Schuhe putzen im Bahnhof. Oder älteren Damen die Tüten nach Hause tragen.“
Das klang sehr original nach Arbeitsamt.
André: „Ja, wer soll die Arbeit denn machen, wenn sie keine 18-jährigen machen wollen…“
Jari: Die haben sich da irgendwelche Psychologen und Leute eingeladen, und da hat tatsächlich einer diesen Satz gesagt, und das fand ich grandios. Es hat genau rein gepasst.. fand ich geil.
Ok, wir sind durch.
Jari: Aber wir als Musiker haben so viel Geld, wir brauchen nicht mehr arbeiten. Als Musiker ist man heutzutage..
Ne, vielen Dank für die Geduld.
Ja, danke fürs Interview.
André: Hat Spaß gemacht.
Jari: Gern gern gern.
... schreibt Rebecca






