Plokk Interview.txt //18.09.2008

Nun also Part 3 der rumfliegenden, abgetippten Interviews von anno dazumal. Was Plokk derzeit so treiben, weiß ich auch nicht so recht. Inzwischen ist die Band zu viert, hat aber seit 2005 keine Platte mehr veröffentlicht und macht sich auch live recht rar. Wie auch immer. Hier also die Textversion des 2006er Interviews auf dem Sofa vom Schubladenkonsortium.

Ihr habt ja da diese Spitznamen - Dodekahedrakon, Optinen Harha, Megalon. Was heißt denn das alles?

Julian: Also Dodekahedrakon heißt gar nichts und ist zusammen mit Megalon entstanden.
Floyd: Megalon - könnte man dazu sagen - ist der coole Typ aus Godzilla mit diesen geilen Armen, der hat so spitz zulaufende Arme, ich glaube mit Stacheln dran. Im besten Fall können die sich dann auch noch drehen.
Volker: Megalon ist auf jeden Fall so ein Roboter.
Floyd: Nein, Quatasch!
Volker: Kein Roboter? Jedenfalls irgendein Godzilla …
Floyd: Organisch. Ja, organischer Godzilla-Gegner.
Volker: Und ich dachte Dodekahedrakon wär irgendein Dreizehneck!? Na ja, Optinen Harha ist Finnisch und heißt Optische Täuschung. Ich hatte irgendwann mal eine finnische Bekannte und sie hat versucht mir finnisch beizubringen. Das Einzige was hängen geblieben ist, ist Optinen Harha, das fand ich irgendwie lustig.
Floyd: Ich hab übrigens auch ‘nen neuen Namen für mich. Ich heiße: “Yei äh em til passe em tu gosse em waal.” Das heißt: “Ich bin eine Schildkröte und du gehst wie ein Wal.”
Volker: Soviel zu diesem Thema.

Eure Homepage ist ja sehr designlastig und auch euer CD-Layout ist ja schon was besonderes.

Floyd: Ja, ich mach den ganzen Quatsch immer. Ich hab mir da jetzt farbenmäßig nicht so viel überlegt, wie das klingt. Ich würde sagen momentan eher so ein knalliges grün. Also grün ist das neue pink, was vorher das neue …
Volker: Also wir sind ja momentan eher schwarz-weiß-lastig.
Floyd: Polarisierend fast.
Volker: Constructed halt, auch wenn’s manchmal nicht so klingen mag, es ist nichts zufällig.
Julian: Ganz gut war mal dieses Cover, wo wir nur 15 Stück von rausgebracht haben. Es sah aus wie ganz viele Linien, die übereinander geschachtelt waren. Wie so ein Baugerüst mit einem Baugerüst oben drüber und man guckt so von unten durch und es ergeben sich immer neue Formen.

Bezieht sich das dann auch auf eure Musik?

Floyd: Das kann man auf jeden Fall sagen, es ist sehr konstruiert und sehr aufeinander geschichtet.
nettv: Wie entsteht eure Musik eigentlich?
Julian: Im Prinzip kommt jemand mit einer Idee an und dann probieren wir einfach dazu aus, was irgendwie passen könnte, und wenn uns das gefällt, dann wird damit angefangen zu experimentieren, also rhythmisch auf jeden Fall. Gucken: Wo kann man was wegnehmen? Wo kann man vielleicht von einem 6/4- auf einen 5/4-Rhythmus gehen. Oder wo macht man das ganze länger und wie variiert man das, dass das interessant und abwechslungsreich wird. Und dann ist immer noch nicht gesagt, das wir die Teile auch wirklich behalten. Es kann auch was völlig neues daraus entstehen. Also das ist eigentlich ständig im Fluss.
Volker: Das Ding ist: Wir sind selber wahnsinnig schnell gelangweilt von unserem eigenen Kram. Und dadurch entsteht häufig diese Kurzatmigkeit der Sachen. Oder dass viele Sachen zusammenkommen, ganz kurz nur angespielt werden und es kommt wieder was neues.

Und wie kommen dann die Titel zustande? Die sind ja auch recht kryptisch.

Volker: Wir könnten da jetzt was reingeheimnissen, aber im Prinzip ist es einfach ziemlich oft Nonsens.
Julian: Zufälle.

Und wie entstehen dann die Titel?

Floyd: Meisten sitzt ich da und muss ein Plattencover machen und muss mir dann Namen für Platten und Titel überlegen. Es ist dann halt der Wahnsinn in euren Köpfen, der von mir transportiert und reingedichtet wird. Ich überleg mir dann: Wie könnten die Jungs gerade drauf sein? Und dann kommen so Sachen raus, wie die multiple Salatschüssel und sowas. Kann man sicherlich auch nachvollziehen, wenn man unsere Musik hört.

Wie kommt es, dass ihr bei euren Titeln manchmal die Vokale weglasst und manchmal nicht?

Floyd: Es liegt eigentlich daran, dass wir uns erst Plokk genannt haben und immer mehr zu diesem PLK gewandert sind, was ich an sich sehr schön finde.
Volker: Ja, die Vokale waren auf einmal weg. Ich habe damit nichts zu tun. Es hatte in erster Linie einfach Designgründe, es sieht ganz gut aus, es ist eben eine Reduktion.
Julian: Ich weiß nicht, ob es nicht das erste mal sogar bei einer Set-Liste entstanden ist, als wir die geschrieben haben. Oh, guck mal, lustig, der Song heißt jetzt GNYF, oder RRCK.

Was heißt GNYF eigentlich?

Julian: IGINYF. Und das ist ne Abkürzung und ist ein Song, den wir Klaas zum Geburtstag geschrieben haben und heißt “I’m glad I’m not your father” und abgekürzt eben IGINYF.
Floyd: Und weiter reduziert GNYF.
Volker: Und “Eppendorf ist das Problem”, wie ein Song von uns heißt, das ist ja sowieso ein viel zu langer Songtitel und der heißt jetzt einfach nur noch PPNDRF.ST.DS.PRBLM. Eppendorf das ist ein Stadtteil von Hamburg, da muss Floyd leider immer arbeiten.
Floyd: Ja, eins dieser Probleme dieses Stadtteils.

Wo arbeitet ihr oder was macht ihr denn neben der Musik?

Floyd: Ich bin Grafiker, deswegen lastet an mir immer die Verantwortung die Jungs schön ausschauen zu lassen.
Volker: Ich hab Musikwissenschaft studiert, bin da kurz vorm Examen. Das habe ich aber gerade auf Eis gelegt, weil ich in einem Kulturprojekt in Hamburg arbeite. Da mache ich alles Mögliche, Verwaltung, Booking, Finanzkram.
Julian: Ich bin Student und studiere Indologie und Anglistik. Also ich lerne Hindi und Englisch.

Wirkt sich das auch auf die Texte oder Titel aus?

Julian: Nö, also höchstens bei einem, den wir nicht mehr spielen. Aber das war auch eher Zufall, da habe ich noch gar nicht studiert. Der heißt Arag und so heißt ein Getränk auf Sri Lanka, so ein Schnaps.

Warum spielt ihr den nicht mehr und warum spielt ihr generell einige Songs nicht mehr?

Floyd: Es muss ja weiter gehen.
Julian: Irgendwann ist es einfach vorbei.
Volker: Irgendwann schleichen die sich so aus den Setlisten raus. Irgendwann sagt einer: Oh, hab ich heute nicht so Bock drauf. Das nächste Mal ist er auch schon nicht mehr drin, weil man sich gar nicht mehr dran erinnert. Und dann hat man ihn auf einmal drei, vier Monate nicht gespielt und würde ihn auch gar nicht so ohne weiteres hinkriegen ohne so richtig dran zu üben.
Floyd: Das sieht man ja auch bei anderen Bands: Nena, Rolling Stones. Die spielen ja auch nicht mehr ihre alten Sachen. …
Julian: Ich würd’s eher damit vergleichen. Das ist wie, wenn du dir Platten kaufst. Irgendwann hast du da ein paar Platten im Schrank stehen, die hörst du nicht mehr. Irgendwann hörst du sie dir wieder an, aber dann stellst du sie auch wieder ganz nach hinten.

Mal zum Thema Gesang. Der kommt ja bei euch nur sehr vereinzelt vor. Wieso eigentlich?

Volker: Na ja, eigentlich gibt’s erstmal gar keinen Gesang. Aber an den Stellen, wo er doch vorkommt, da hat sich das einfach so ergeben. Wir machen das auch immer absichtlich ohne Mikrofon, auch wenn der Raum viel zu groß ist. Wir schreien dann halt rum und man hört es dann eigentlich gar nicht mehr oder nur so ein bisschen oder nur in den Pausen. Das finden wir aber ganz gut. Das hat was Direktes, was Ursprüngliches.
Floyd: Außerdem sind die Teile meistens so voll, dass man da nicht viel mehr als ein “ah” rein bekommt. Außerdem haben wir festgestellt, dass sobald Gesang da ist, die Leute viel mehr auf den Gesang achten. Ist ja auch klar, mach ich selber auch. Das ist halt bei uns niemals Intention gewesen, dass wir irgendwie Gesangsband werden wollten. Das hat sich dann eben auch nicht so entwickelt und wir sind da glaub ich eigentlich auch ganz gut damit gefahren.
Volker: Es ist auch keiner von uns ein Songwriter, der zu Hause sitzt und Texte schreibt, die er vielleicht präsentieren will. Das muss man ja auch erstmal wollen, natürlich auch können. Es muss aus einem rauskommen. Es muss einem wichtig sein, eine bestimmte Message damit auszudrücken. Es ist einfach nicht die Art und Weise, wie wir zusammen Musik machen.
Julian: Das hat sich von Anfang an so ergeben. Wir hatten die Band. Wir haben ein halbes Jahr gespielt. Wir haben nie gesungen. Und dann auf einmal hatten wir zwei Auftritte. Da mussten wir zwei Lieder zusammenkloppen und da kam halt einfach kein Gesang vor. Wir haben das dann mal ausprobiert und gemerkt, dass es einfach nicht funktioniert. Wenn dann mal gesungen wird - in einem Song ist das ja so - dann ist das eher, weil es zu dem Song passt. Aber zu den anderen Songs passt das halt nicht.

IGINYF?

Julian: Genau IGINYF.
Floyd: Das war ja auch ein Geburtstagsgeschenk, da mussten wir ja auch sagen, warum wir froh sind, nicht sein Vater zu sein oder seine Schwester, die er nicht hat.

Wie ist denn der Text? Man versteht ihn beim Hören nicht wirklich.

Floyd: Nein, das ist ziemlicher Nonsens. Das ist mir fast ein bisschen unangenehm, das jetzt hier nur so laut zu sagen. Hätte man eigentlich schreien müssen.

Was sagen eigentlich Freunde und Familie zu Eurer Musik?

Volker: Wir haben natürlich viele Freunde, die selbst Musiker sind und die finden’s halt cool. Aber meine Eltern haben für die Art von Musik überhaupt keinen Zugang. Aber das macht denen nichts aus. Die finden das trotzdem interessant, was man da macht und sehen, dass wir mit viel Eifer dabei sind und es auch ernst meinen.
Julian: Mein Vater macht selber Musik und hat auch nicht so den Zugang dazu, hört sich das aber an und hat mich auch immer unterstützt, was neue Instrumente betrifft. Meine Schwester findet’s super, meiner Mutter ist es zu laut. Sie findet’s aber tendenziell auch gut. Und von Freunden habe ich bisher nur gute Statements bekommen.
Floyd: Und die, die was Gegenteiliges sagen, sind nicht mehr unsere Freunde! … Nee, wir sind da aber - weil wir nicht so viele Erfolge feiern können - sehr abhängig von der Resonanz, die uns die Leute entgegen bringen. Also gerade hier in Deutschland, gerade in Hamburg, wo eh nur Bands angesagt sind, die singen, am besten auch deutsch und am besten 4/4-Takt. Das ist in Hamburg ganz dominant. Und von daher sind wir schon auf positive Kommentare angewiesen.
Volker: Von gewissen Leuten halt, die ähnliche Musik machen wie wir. Da muss man dann einfach ‘ne Rückmeldung kriegen. Und die kriegen wir dann auch.

Seid ihr eigentlich eine Größe in Hamburg? Kennt man euch?

Julian: Also ‘ne Größe, ich weiß nicht. Aber mir passiert es schon manchmal, dass mich Leute ansprechen und sagen: Hey du bist doch der Schlagzeuger von Plokk. Wir haben da ein gutes Konzert von Euch gesehen.
Volker: Also ich glaub, in dieser bestimmten Szene, wo die Leute zu bestimmten Konzerten von bestimmten Bands latschen oder die entsprechende Musik selber machen, da sind wir schon bekannt. Aber das ist auch ‘ne kleine Szene. Die Leute kennt man ja fast alle persönlich. Dann freut man sich natürlich, dass es dann auch Leute gibt, die man noch nie gesehen hat und die kennen einen dann trotzdem. Und das funktioniert ja in dieser bestimmten Szene von Instrumentalbands, obwohl wir nicht soviel touren, inzwischen deutschlandweit. Da haben schon ein paar mehr Leute unseren Namen gehört, und gerade in Hamburg natürlich. Aber eine Größe in Hamburg. Also du kannst da niemanden auf der Straße ansprechen. Da ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich gering. Aber wenn du Leute auf ‘nem Konzert von so’ner Musik fragst, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass die Leute uns schonmal gehört haben, ziemlich hoch.

... schreibt Rebecca